NOW Architektur
LFS

Landwirtschaftliche Fachschule Winkelhof

Es braucht Kohärenz und einen sensiblen Umgang um im Kontext zu historisch wertvollen Baubestand Großvolumig zu erweitern. Wenn wir seriellen Holzbau, resiliente Konstruktionsweisen und Gestaltung zusammen denken können einfache Nebennutzungen als Baukunst mit didaktischer und atmosphärischer Mehrwert entstehen.

Fassade und Maßstab
Ansicht Werkstätten
Ensemblewirkung
Querlüftung und Kühlung
Belichtung

Die großflächige Erweiterung der Landesfachschule Winklhof bildet gemeinsam mit dem Bestand ein zusammenhängendes Gebäudeensemble. Die Neubauten gruppieren sich, ähnlich dem Bestand, in Form von klaren länglichen Baukörpern zu funktionalen Höfen zusammen. Die Satteldächer fügen sich dabei in die bestehende Dachlandschaft des Winklhofes und seiner Umgebung natürlich ein. Im Zusammenspiel von Schloss, Nebengebäuden und Landschaft wird so eine stimmige Außenwirkung erzeugt – “äußere Kohärenz”. Aufgrund der angedachten Größe der Erweiterung kann diese als bauhistorisch relevant für die Landesfachschule erachtet werden. Weshalb der Architekturentwurf in seiner Gestaltung, Materialität und Konstruktion als eine zusammenhängende Erweiterung ablesbar bleibt und so ein identitätsstiftendes, baukulturell relevantes Merkmal für den Ort setzt – “innere Kohärenz”.

Entlang der östlich vom Schloss ausgebauten Nord-Süd Verbindungsachse werden die drei bestehenden Höfe (Wirtschaftshof im Norden, Schlosshof im Zentrum, sowie Verarbeitunghof im Süden) durch Pferdehof und Werkhof ergänzt. Dem Bestand angelehnt dienen diese Höfe neben der Erschließung der Gebäude vor allem dem funktionalen Zusammenhalt der sie umrahmenden Nutzungen. Die freigespielten Räume zwischen den fünf Höfen schaffen neben Wegeverbindungen vor allem neue Blickbeziehungen die das Schloss nicht nur räumlich, sondern auch perspektivisch gerahmt wieder ins Zentrum setzen. Erlebbar werden diese Sichtverbindungen durch die befahrbare Nord-Süd Achse ausgehend von der neuen Zufahrt zwischen Lehrerwohn- und Mesnerhaus, sowie einer Vielzahl an fußläufigen Durchquerungsmöglich- keiten die zum Teil auch als Reitpfade dienen. Die Landschaftsgestaltung der Zwischenräume folgt wie die Gebäudesetzung der Rahmung der perspektivischen Blickbeziehungen zum zentralen Schloss. Sie verbindet traditionelle Gemüse- und Kräutergärten, Stauden- beete und Streuobstwiesen mit alpinen Schotter-Wiesen sowie Blumen- und Kräutergemeinschaften.

Den Gebäuden ist eine hallenartige Gebäudetypologie immanent, deren struktureller Ansatz sich klar an land- und betriebswirtschaftlichen Zweckbauwerken orientiert. Die zweckmäßige Gliederung in ein 3m Tragwerks- und 1,5m Elementraster begünstigen eine flexible Grundriss- gestaltung. Die großteils stützenfreien Hallen und das eng gesetzte Raster bietet damit, auch für zukünftige Nutzungsänderungen, ausreichend Spielraum. Durch den strukturellen Ansatz im Gebäudeentwurf wird, im Sinne einer typologisch offenen Architektur, der Lebenszyklus durch Nutzungsadaptierbarkeit nachhaltig verlängert.

Die langen klaren Baukörper folgen unabhängig von ihrer Nutzung denselben gestalterischen Grundregeln und lassen sich in klar ablesbare architektonische Elemente unterteilen (Sockel, Fassade, Dach). Die Ausformulierung und Gestaltung der einzelnen Elemente leitet sich dabei aus deren Zweckmäßigkeit ab. So schützt der Dachvorsprung einerseits den Holzbau vor Schlagregen und beschattet gleichzeitig die oberen Fassadenteile die vorwiegend zur Querlüftung der Gebäude dienen.

Aus dem strukturellen Entwurfsansatz heraus bietet sich ein hohes Potential zur Vorfertigung an. Neben den Fachwerkträgern lassen sich die Fassadenelemente mit einem entsprechend hohem Vorfertigungsgrad realisieren. Neben der so zu erwartenden höheren Ausführungsqualität kann in Absprache mit dem ausführenden Unternehmen auch von einer Verkürzung der Bauzeit ausgegangen werden. Durch den konsequent seriell gestalteten Entwurf lässt sich somit Wirtschaftlichkeit und baukünstlerische Qualität in Einklang bringen. Zeitlose Gestaltung, konstruktiver Holzschutz, eine hohe Ausführungsqualität und typologische Freiheit im Grundriss tragen maßgebend zur Resilienz von Holzbauten bei. Langfristig gesehen wird die Lebensdauer der Gebäude vor allem durch die Nutzer bestimmt.

 

Projektdaten

Auslober:in

Land Salzburg

Ort

Oberalm, AT

Verfahren

EU-weit offener, einstufiger Realisierungswettbewerb

Platzierung

Annerkennung

Jahr

2020

Projektteam

Eva Hierzer und Stephan Brugger

Statik

Engelsmann Peters ZT GmbH