Sozialpädagogisches Zentrum Kärnten

“PAST NOW FUTURE,
POTENZIALE ERKENNEN &
ZUKUNFT ERMÖGLICHEN”

Die Grundidee des vorgeschlagenen Projektes ist es mit gezielten Eingriffen im Bestand dessen städtebaulichen und typologischen Potentiale herauszuschälen um dadurch eine zeitgemäße und nachhaltige Entwicklung eines Zentrums für Sozial- und Elementarpädagogik zu ermöglichen. 

Der zu bearbeitende Bestand weist viele Stärken, aber auch Schwächen auf, die es zu lösen gilt. 

Eine der Stärken ist die städtebauliche Hoftypologie, die mit der Umgebung gemeinsam ganz klare verkehrsberuhigte Bereiche (Hof, Garten und Vorplatz) aufweist und so eine eindeutige Trennung zwischen motorisierten Verkehr (Gutenbergstraße) und Freibereichen für die Nutzer:innen – allen voran Kinder & Jugendliche – ermöglicht. 

Die derzeitige bestehende Erschließungssituation weist viele einzeln verteilte und unterschiedlich gestaltete Zugänge auf, die weder mit der Umgebung, noch mit der baukünstlerischen Gestaltung des Bestands (Fassade) korrespondieren. Für die zukünftigen drei Nutzungen – ÖFFENTLICHER ZUGANG, ELEMENTARPÄDAGOGIK & SOZIALPÄDAGOGIK – schafft das vorliegende Projekt an den bestehenden drei Hochpunkten des Gebäudevolumens (dreigeschossige Gebäudeteile) klare und einfach “lesbare” Zugänge für die jeweilige Nutzung. Die Positionierung der drei Zugänge folgt somit wieder der ursprünglichen Logik des Bestands – Betonung der Eingänge in der Fassadengliederung und die Lage der bestehenden vertikalen Erschließungen direkt bei den Zugängen.

Alle drei Haupteingänge sind durchgesteckt, sodass neue Verbindungen  – “Shortcuts” – zwischen Hof, Vorplatz zum Krankenhaus, Gartenanlage und dem nördlichen Mitarbeiterparkplatz entstehen. 

Gebäudetypologisch bietet das Bestandsgebäude nutzungsneutrale, großzügige, hohe Räume, breite Gänge und gut verteilte vertikale Erschließungskerne mit teilweise schon bestehenden Aufzügen. 

Sämtliche Funktionen sind hier klar und übersichtlich getrennt. Das Gebäude wird grundsätzlich in drei Bereiche gegliedert: Die Elementarpädagogik im Südtrakt mit dem Hauptzugang und vertikale Erschließung im westlichen dreigeschossigen Bauteil. Das Sozialpädagogische Zentrum für Chancengleichheit im Osttrakt mit dem Hauptzugang und vertikale Erschließung ergänzt um einen Aufzug im nördlichen dreigeschossigen Bauteil. 

Im Mitteltrakt befindet sich der reaktivierte Hauptzugang. Das dortige zentrale Stiegenhaus und der zentrale Aufzug verbinden sämtliche in den Geschoßen verteilte Funktionen miteinander. Das Erdgeschoß des Mitteltrakts wird damit zum kommunikativen Mittelpunkt und zum Verbindungsglied aller Nutzungsbereiche. An ihm gelegen befinden sich sämtliche übergeordnete Funktionen wie die Administration, das Bistro sowie die Seminar- und Schulungsräumlichkeiten. 

Für eine zeitgemäße Umsetzung des Raumprogramms innerhalb der bestehenden Struktur setzt der Entwurf eine suffiziente Haltung gegenüber dem Erhalt der bestehenden Bausubstanz voraus. Dabei wird vor allem Augenmerk auf den Erhalt der primären Tragstruktur gelegt. Durch Neuorganisation und Rückbau nichttragender Elemente und nachträglich errichteten Anbauten kann nahezu das gesamte Raumprogramm effizient im Bestand umgesetzt werden. Gezielt gesetzte größere Eingriffe (z.B. großzügige Öffnungen in den Gangwänden oder zwischen Geschossen) und untergeordnete bauliche Ergänzungen (z.B. Freibalkone oder Aufzug) schaffen zeitgemäße räumliche und organisatorische Qualitäten.

NEUER ALTER HAUPTZUGANG ALS DREH- & ANGELPUNKT

Der ehemalige Haupteingang der Frontfassade des Mitteltraktes gegenüber dem Eltern-Kind-Zentrum wird gemeinsam mit dem Vorplatz als neuer öffentlicher und zentral gelegener Zugang reaktiviert und durch das Bistro außenwirksam in Richtung Krankenhaus ergänzt. Neben der Gastronomie bildet die Administration die erste Anlaufstelle, Information, Dreh- und Angelpunkt im Erdgeschoß zwischen Hof und Vorplatz sowie Elementar- und Sozialpädagogik. 

SOZIALPÄDAGOGISCHES ZENTRUM

Das Sozialpädagogische Zentrum teilt sich geschossweise im Ost- und Mitteltrakt in die Ausbildungsräume im Erdgeschoss (angrenzend an Bistro und Administration), die Tagesbetreuung im ersten Obergeschoß (angrenzend an die Heilpädagogische Kindergartengruppe) und die Arbeitsräume im Untergeschoss. Die Wohnbereiche teilen sich im zweiten Obergeschoß in die Einzel- und Trainingswohnungen im Osttrakt und die inklusive Wohngruppe im Mitteltrakt.

Entlang der Hoffassade wird der Osttrakt durch eine Erweiterung zusammengefasst. Im Erd- und Untergeschoß ist diese eine räumliche Ergänzung, während im ersten Obergeschoß der Anbau als überdachter Freibereich die Aufenthaltsräume der Tagesbetreuung ins Freie erweitert.  

Der neue Hauptzugang des SPZ im Norden des Osttrakts erhält einen neuen Aufzug der abgesetzt vom Bestandsgebäude einen neuen eigenständigen barrierefreien Eingang für Klienten, Personal und Bewohner zwischen Vorfahrt am Vorplatz im Osten und Hofzugang im Westen aufspannt. 

ELEMENTARPÄDAGOGIK

Als eigenständige Nutzung liegt die Elementarpädagogik im Südtrakt des Bestands. Der westliche dreigeschossige Baukörper bildet den zentralen Zugang zu Kindergarten (KIGA) und Kindertagesstätte (KITA) auf mehreren Ebenen – Hofseitig von Norden und Gartenseitig von Süden.

Die Kindertagesstätte befindet sich zur Gänze auf einer Ebene im Erdgeschoß. Über den zentralen Eingang zwischen Hof und Gartenseite befinden sich die Garderoben und Gatschgarderoben, die direkt über die südseitige Terrasse ebenerdig in den Garten führen. Die flache Zugangsrampe zum Garten dient auch als barrierefreier südseitiger Zugang in die KITA. Die Gruppen reihen sich wie eine Perlenkette zwischen Zugang und Mitteltrakt auf. Räumlich werden die Gruppen über den multifunktional genutzten Gangbereich über zwei Freibalkone in Richtung Hof erweitert.

Der Kindergarten teilt sich auf drei Ebenen auf. Der barrierefreie Zugang erfolgt Hofseitig gemeinsam mit der KITA in das Stiegenhaus, aber auch direkt in das Untergeschoss zur Gatschgarderobe. Der zweite südseitige Zugang in das Untergeschoss entlang des Außenbereichs KITA ermöglicht einen barrierefreien “Shortcut” zwischen den Parkplätzen im Süden und dem Hof für Eltern und Personal.

Die Cluster des Kindergartens befinden sich im ersten und zweiten Obergeschoss des Südtrakts und die Heilpädagogische Gruppe zusammen mit der Kooperationsgruppe im ersten Obergeschoss im Mitteltrakt als Schnittstelle zur Tagesbetreuung SPZ und die dort genutzten Therapieräume. 

Die Trennung des Kindergartens in zwei Ebenen (1. + 2. OG) wird über eine im Eingangsbereich gelegene Sitztreppe überwunden, die abseits vom gesicherten Stiegenhaus eine geschossübergreifende Aufenthalts- und Lernlandschaft als Herz des Kindergartens für alle Gruppen bildet. Die Cluster reihen sich analog den KIGA Gruppen im Erdgeschoss zwischen Zugang und Mitteltrakt auf. Räumlich werden die Gruppen über den multifunktional genutzten Gangbereich über zwei Freibalkone in Richtung Hof erweitert.

EU weit offener Realisierungswettbewerb 2022, 
Wettbewerb: Eva Hierzer, Elisabeth Beis, Maibritt Pieper