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BTB

Sanierung Bauteil B LKH Graz Süd II

Evidenzbasierte Entwurfsaspekte fördern vor allem in der Psychiatrie eine bedürfnisgerechte, wertschätzende und entstigmatisierende Architektur, die Medizin und Pflege bei der Behandlung der Patientinnen und Patienten unterstützt. Kleine, feine Gestaltungsdetails ergänzen den Gesamteindruck einer ansprechenden, nicht-institutionellen Umgebung. Sie werden bewusst oder unbewusst wahrgenommen – oder auch gar nicht erkannt. Gespürt werden sie jedenfalls.

Das Projekt schlägt eine Bestandstransformation vor, die die langgestreckte Gründerzeittypologie basierend auf evidenzbasierten Entwurfsaspekten für die Psychiatrie zu einem Gesundheitsbau umwandelt. Ziel ist es, eine bedürfnisgerechte, wertschätzende und entstigmatisierende Architektur zu gestalten, die Medizin und Pflege bei der Behandlung der Patientinnen und Patienten unterstützt. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Minimierung von Stresseinwirkungen (wie räumliche Enge, Orientierungsverlust, fehlender Rückzug oder emotionale Belastungen durch Kontrollverlust) sowie die Schaffung baulicher Umweltbedingungen, die die Entwicklung bzw. Wiedererlangung autonomieorientierter Handlungsweisen unterstützen.

Die langgestreckte Bestandsstruktur wird im südlichen wie im nördlichen Gebäudeteil als Mittelgangtypologie erhalten bzw. transformiert, um die Raumtiefen zu reduzieren, die Bestandsfassade zu bewahren und eine übersichtliche Raumproportion der Patientenzimmer zu schaffen. Offene Gangenden und das Aufbrechen des Mittelgangs in Richtung Park durch gemeinschaftliche Aufenthaltsräume schaffen Referenzpunkte innerhalb der Station sowie Blickbeziehungen in den Außenraum.

Die potenziellen, baulich bedingten Stressoren in psychiatrischen Einrichtungen sind vielfältig. Neben Lärm, Kontrollverlust oder Beengungsgefühlen sind es vor allem ungeeignete Funktionsabläufe und Funktionsüberschneidungen, die bei Patientinnen und Patienten sowie beim Personal zu Stress führen können. Neben der funktionalen Wegeentflechtung (vor allem zwischen Anlieferung und Stationsbetrieb) ist die Lage der einzelnen Stationen zum Außenbereich und auch zueinander für einen ungestörten Stationsbetrieb wesentlich.

Innerhalb der Stationen bilden die Stützpunkte das kommunikative Herz. Sie sind so positioniert, dass sie Zugänge, Tagraum und Gang überblicken. Sie dienen als Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten und gleichzeitig als Rückzugsbereich für das Pflegepersonal. Zudem wird durch die gewählte Distanz das „Spüren“ der Patientinnen und Patienten durch das Pflegepersonal baulich optimal unterstützt.

Die Materialisierung und Farbgebung unterstützen diese Gliederung und fördern gleichzeitig das Erlebnispotenzial. Holz und Licht sorgen für eine freundliche Atmosphäre, Bepflanzung wird punktuell integriert. Der Wechsel im Bodenmaterial und der farbige Deckenspiegel fassen die Aufenthaltszone nochmals räumlich zusammen. Kleine, feine Gestaltungsdetails ergänzen den Gesamteindruck einer ansprechenden und nicht-institutionellen Umgebung. Sie werden bewusst oder unbewusst wahrgenommen – oder auch gar nicht explizit erkannt. Gespürt werden sie jedenfalls. Die Intensität der Gestaltung variiert und führt zu einer Hierarchisierung zwischen den Zimmern und den Aufenthaltsbereichen.

Projektdaten

Auftraggeber:in

KAGes – Steiermärkische Krankenanstaltenges.m.b.H.

Ort

Graz, AT

Verfahren

EU-weit nicht offener, einstufiger Realisierungswettbewerb

Platzierung

Anerkennung

Jahr

2026

Arbeitsgemeinschaft

Gangoly & Kristiner Architekten

Projektteam

Eva Hierzer und Maibritt Pieper

Visualisierung

Gangoly & Kristiner Architekten