Construction Innovation Lab der BOKU Wien
Es benötigt Mut zur Reduktion, dem Respekt vor der Substanz und dem konsequentes Denken in Kreisläufen. Architektur begreifen wir nicht als starr vollendetes Monument, sondern als wandlungsfähiges Gefüge – konstruktiv ehrlich, materialschonend und offen für das, was kommt. Was wäre, wenn Gebäude nicht nur Räume schaffen, sondern von Beginn an ihr eigenes Weiterleben mitdenken? Ein Plädoyer für intelligente Einfachheit und das Bauen in Zyklen.
Das Construction Innovation Lab präsentiert sich als klarer Baustein im Campusensemble der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU). Durch die gezielte Setzung am Grundstück bildet der Neubau großzügige, übersichtliche Räume und reduziert Restflächen auf ein Minimum. Zugleich entwickelt sich ein großzügiger Grünraumkorridor zur Hartäckerstraße. Die bewusste Positionierung des Baukörpers auf bereits versiegelten und verdichteten Flächen reduziert den Bodeneingriff auf ein Minimum. Durch die Lage der Hauptzufahrt an der Peter-Jordan-Straße kann vor allem der nördliche Grundstücksteil fast vollständig entsiegelt werden.
Das Construction Innovation Lab wird als offene Hallenstruktur mit eingestellten zweigeschossigen Bereichen organisiert. Die sichtbare Primärstruktur bleibt über die gesamte Gebäudelänge ablesbar. Die dreihüftige Gliederung der funktionalen Ebene spiegelt sich in der Gebäudestruktur wider. Die regelmäßige Struktur bildet die Grundlage für das architektonische Konzept und bedient sich dabei eines klaren Low-Tech-Ansatzes, ressourcenschonenden Materialeinsatzes und einer kreislauffähigen Bauweise mit biogenen Baustoffen (integritätsorientierte Konstruktion). Umlaufende Mansarden und Vordächer beschatten die Glasflächen und schützen die Holzfassaden vor Bewitterung.
Bei einer Gesamtspannweite von rund 32 m teilt eine Mittelstütze den asymmetrischen Grundriss bei etwa einem Drittel. Das System folgt einem klassischen Gerberträger mit gelenkigen Anschlüssen. Die statisch bestimmte Gliederung reduziert Biegemomente, erlaubt eine materialeffiziente Dimensionierung und unterstützt Vorfertigung und Montage. Die Sekundärtragebene wird mit längentoleranten Vollholzträgern ausgebildet. Es können standardisierte und/oder gebrauchte Holzbauteile eingesetzt werden. Im Unterschied zu konventionellen Holzkonstruktionen bleiben Länge und Querschnitt der Träger weitgehend erhalten. Überlängen werden nicht systematisch entfernt. Dadurch bleiben geometrische und statische Eigenschaften erhalten, die für eine spätere Wiederverwendung relevant sind. Das Gerber-Fachwerk reduziert den Materialeinsatz der Primärstruktur. Die integritätsorientierte Sekundärkonstruktion ergänzt diesen Ansatz um die Erhaltung von Bauteilen über den ersten Nutzungszyklus hinaus.
- Auslober:in
BIG Bundes Immobilien Gesellschaft
- Ort
Wien, AT
- Verfahren
EU weit offener Realisierungswettbeweb
- Platzierung
Anerkennung
- Jahr
2026
- Bietergemeinschaft
NOW Architektur & Circulate
- Projektteam
Thomas Hörmann, Stephan Schmidt, Maibritt Pieper
- Architektur
NOW Architektur ZT GmbH
- Landschaft
Green4Cities
- Statik
Engelmann Peters ZT GmbH
- Nachhaltigkeit
Circulate ZT GmbH
- Modellbau
Patrick Klammer