NOW Architektur
BSM

Erweiterung BOSSOG Graz Monsbergergasse

Die Potentiale von Bestandsgebäuden zu erkennen und diese durch minimale Eingriffe in zeitgemäße pädagogische Landschaften umzuwandeln, ist eine klare architektonische Haltung, die Ressourcenschonung und Respekt vor dem Bestehenden verlangt. Eine Architektur des Weiterbauens fragt nach Kohärenz in Gestaltung, Materialität und Konstruktion des Entwurfs – nicht überformend, sondern zeitgemäß interpretiert in der Logik des Bestehenden.

Die architektonische Herangehensweise zielt auf eine sensible Integration der notwendigen Erweiterungen in den bestehenden, von Nehrer+Medek geplanten Gebäudekomplex ab. Der unverwechselbare Charakter des Bestandsgebäudes, geprägt durch seine markanten blassgrünen Fensterbänder und die rote Klinkerfassade, wird gewahrt, durch die Erweiterung aufgenommen und gestärkt.

Im Vordergrund steht eine behutsame Weiterentwicklung des Bestands. Die bestehende Fassade mit ihrer charakteristischen Klinkerverkleidung und den Fensterbändern wird – wie vom Auslober gewünscht – erhalten; der Umgang mit der Substanz von Nehrer+Medek erfolgt mit größtem Respekt. Die vorhandenen Vor- und Rücksprünge der Fassade werden im Erweiterungsbau aufgenommen, um gestalterische Konsistenz und ein harmonisches Gesamtbild zu gewährleisten.

Ein wesentlicher Aspekt ist das Stärken der Bestandsqualitäten durch ressourcenschonendes Umbauen. Bestehende Strukturen werden so weit wie möglich erhalten und ertüchtigt, Eingriffe in die Substanz minimiert und stets unter Abwägung von Nutzen und Aufwand vorgenommen. Das vorgegebene Raumprogramm wird bestandsnah und unter Ausnutzung der vorhandenen Gegebenheiten in die bestehende Raumstruktur eingeschrieben. Die notwendige Flächenerweiterung erfolgt als Aufstockung, die sich in das Raster der bestehenden Tragstruktur einfügt. Diese ist als leichte Skelettkonstruktion in Holzbauweise konzipiert. Innerhalb der Aufstockung werden Sonderunterrichtsräume in einem fließenden, offenen Raumkontinuum zusammengefasst, wobei Nebenräume (Sammlungen, Lernnischen etc.) als möbelartige Trennelemente dienen.

Besonderes Augenmerk gilt Belichtung, Ausblick und Orientierung. Der Entwurf stärkt die inhärenten räumlichen und charakteristischen Qualitäten des Bestandsgebäudes. Ein zentrales Element ist das bestehende Atrium, das über alle Geschosse hinweg durch die neue Anordnung offener und kommunikativer Funktionen wie Aula, Speisebereich und flexible Lernzonen „umspült“ und somit als lebendiges Herzstück der Schule inszeniert wird. Um Aufenthaltsqualität und Lernatmosphäre zu verbessern, werden fehlende Sichtbeziehungen und Orientierungspunkte im tiefen Gebäudekörper durch den strategischen Rückbau nichttragender Bauteile korrigiert. Hierdurch entstehen „durchgesteckte“ Lernzonen, die von mehreren Seiten natürlich belichtet werden und vielfältige Ausblicke ermöglichen. Die Aula im Erdgeschoss bleibt als Ort des Ankommens, Austausches und der Gemeinschaft erhalten und wird durch das Freispielen des Atriums als Herz der Schule gestärkt.

 

Projektdaten

Auslober:in

Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H.

Ort

Graz, AT

Verfahren

EU-weit offener, einstufiger Wettbewerb

Jahr

2025

Projektteam

Thomas Hörmann und Stephan Schmidt

Modellbau

Patrick Klammer Manufaktur