Kulturspeicher Oberösterreich
Was wenn, Zweckbauten unsere Baukultureller Identität und die Kulturproduktion von morgen widerspiegeln – zwischen Beständigkeit und Innovation. Wenn Speicherbau und Bestandsumnutzung den historischen Kontext respektieren und zur Identität eines Gesamtensembles beitragen.
Die visuelle Wahrnehmung des Schloss Bergheim differenziert je nachdem von welcher Richtung man sich dem Schloss Ensemble in der Ebene der umgebenden Landschaft nähert. Von Süden bleibt es durch den Agroforst verborgen. Erst von Osten und Westen her erscheint es über die Näherung als Solitär zwischen Äckern und Baumgruppen. Daher bildet die Nordseite mit Mehrzweckhalle, Jägerstöckl und Wirtschaftshof das repräsentative Gesicht nach außen. Diese Perspektive gilt es im Sinne eines respektvollen Umganges mit dem denkmalgeschützten Ensemble zu erhalten und mit der inhaltlichen Neuorientierung als wissenschaftliches Zentrum für die Geschichte und Kulturerbe Oberösterreichs zu stärken.
Als markante Volumen ergänzt der Neubau des Archivspeichers das Ensemble. Doch in der Wahrnehmung tritt er in den Hintergrund und rahmt die Anlage zusammen mit dem Raumwirksamen Agroforst symbolisch ein. Die Nordseite bleibt freigespielt. Ein neuer Vorplatz an der Toreinfahrt betont den gestärkten neuen Hauptzugang zum Landesarchiv.
Während der Bestand in seiner Erscheinung erhalten bleibt, wird der Neubau des Archivspeichers zum identitätsstiftenden Baustein nicht nur für die Aufbewahrung, sondern auch Symbol für eine generationenübergreifende Vermittlung und Förderung der Kultur und Geschichte des Landes Oberösterreich.
Im Spannungsfeld zwischen kleinteiligem Bestand und großvolumigem Monolith vermittelt die Fassade zwischen den differenzierten Bauvolumen, sowie zwischen Tradition und Innovation. Das kompakte Volumen gliedert sich in eine zweigeschoßige Basis, die Maßstab und Dachneigung des Bestandes aufgreift, sowie eine aufragende Verjüngung. Die Fassade aus gebrannten Lehmziegeln ist haptisch erlebbar. Das Verlegemuster der Basis erinnert an „g’scharlte“ Vierkanthöfe und die historische Opus-Romanum-Bauweise. Nach oben wandelt das Muster sich zu einer digital generierten Struktur – eine Verbindung von Baukultureller Identität und der Kulturproduktion von morgen. Von Beständigkeit und Innovation.
Eine über Zeit und Perspektive sich wandelnde Fassade die nicht nur im Inneren, sondern auch in seiner Außenwirkung historische und zeitgemäße (Bau-) Kultur speichert.
Das Projekt priorisiert Ressourcenschonung durch maximale Bestandsnutzung und flexible Grundrisse des Archivspeichers. Der Neubau ist als kompaktes Volumen mit geringem Fußabdruck konzipiert. Massive Außenwände mit vorgesetzter Lehmziegelschale schaffen ein thermisch träges, klimawandelresistentes System für ein stabiles Raumklima bei minimalem Energieeinsatz. Die Tragstruktur ist materialsparend, treibhausgasarm und trotz hoher Lasten schlank optimiert.
- Auslober:in
Land Oberösterreich
- Ort
Felkirchen a.d. Donau, AT
- Verfahren
EU-weit offener, einstufiger Realisierungswettbewerb
- Platzierung
Anerkennung
- Jahr
2026
- Arbeitsgemeinschaft
Studio WG3
- Projektteam
Eva Hierzer, Maibritt Pieper, Nele Göpfert, Thomas Hörmann und Stephan Brugger
- Statik
Engelsmann Peters GmbH
- Modellbau
Patrick Klammer Manufaktur
- Visualisierung
NOW Architektur