Vilma
Wie sieht der Bestand von morgen aus? Was passiert, wenn ein Haus nicht für den Moment entworfen wird, sondern in Szenarien gedacht wird? Räume, obwohl starr verortet, verharren hier nicht in festen Rollen, sondern verändern ihre Raumfolge durch minimale Eingriffe. Wo heute das Familienleben stattfindet, entsteht morgen ganz selbstverständlich Platz für Neues. Ein Haus, das flexibel auf die Bedürfnisse von morgen reagiert.
Inspiriert von den zeitlosen Qualitäten der klassischen Grazer Stadtvilla stellt sich dieser Entwurf einer zentralen Frage: Kann der gebaute Raum über Jahrzehnte hinweg flexibel auf wechselnde Lebenssituationen und Realitäten reagieren? Ausgehend von der aktuellen Lebensphase stellt sich die Bauherrenschaft die Frage nach der Zukunft dieser Immobilie. Heute präsentiert sich das Gebäude als großzügiges Familiendomizil mit durchdachten, offenen Raumfolgen. Das Erdgeschoss heißt Bewohner und Gäste mit einem weiten Entree willkommen und führt direkt in den Salon, das Speisezimmer, die Küche sowie in separate Bibliotheks- und Gästezimmer. Im Obergeschoss entfaltet sich das private Leben. Das Dachgeschoss bietet als offenes Atelier und Büro Raum für Kreativität und Weitblick, während das Untergeschoss mit Indoor-Pool und Fitnessbereich maximale Lebensqualität im Alltag garantiert.
Die Raumzuschnitte sind bewusst quadratisch gewählt und versprechen so auch in Zukunft gut einzurichtende, nutzungsoffene Grundrisse. Die klare Raumstruktur ermöglicht den Umbau der Villa zu einem Wohnhaus mit fünf Wohneinheiten, erschlossen über das zentrale Stiegenhaus. Über einen leicht nachrüstbaren Aufzug können die vier Geschosse in Zukunft auch barrierefrei erschlossen werden. Im Erdgeschoss sowie im Obergeschoss bilden sich jeweils zwei kompakte 2‑Zimmer-Wohnungen, während das Dachgeschoss eine großzügige 4‑Zimmer-Wohnung aufnimmt. Der Indoor‑Pool im Untergeschoss bleibt als gemeinschaftlicher Spa‑Bereich für alle Parteien erhalten.
Der Entwurf denkt Nachhaltigkeit anders. Geht es auch darum die Nutzungsdauer von Gebäuden zu maximieren. Resiliente Bauweisen und Feuchteschutz spielen dabei eine wesentliche Rolle. Die massive Ziegelbauweise mit ungedämmter Fassade erreicht mühelos den Niedrigenergiestandard und verbindet hohe thermische Trägheit mit einem gesunden Raumklima. Die Nutzung von Erdwärme sowie gebäudeintegrierte Photovoltaik sichern eine zukunftsfähige Energieversorgung. Eine klare Trennung der Materialien garantiert eine exzellente Rückbaubarkeit und Sortenreinheit. Durch übereinanderliegende tragende Wände und bereits im Rohbau vorgedachte Durchbruchmöglichkeiten zwischen den Räumen entsteht maximale Flexibilität innerhalb des Systems.
- Auftraggeber:in
Privat
- Ort
Graz, AT
- Planung
2021–2023
- Fertigstellung
2024
- Projektteam
Stephan Schmidt und Emanuel Lackner
- Leistungen
Architekturplanung und örtliche Bauaufsicht
- Fotografie
Emilian Hinteregger und David Schreyer