Fachhochschule für Gesundheits- und Krankenpflege

“WÜRDIGE DIE VERGANGENHEIT,
SCHÄTZE DIE GEGENWART & ERMÖGLICHE DIE ZUKUNFT

Das bestehende Schulgebäude, direkt an der Mürz und nahe der Kapfenberger Altstadt gelegen, ist für viele Kapfenberger*Innen ein Ort voller Erinnerungen.

Behutsam verleiht der Entwurf von NOW Architektur dem Bestandsgebäude sein neues Gesicht, ohne dabei dessen Grundzüge zu sehr zu verändern. Dadurch wird die Identität des Ortes bewahrt, gleichzeitig wird dem Bestand neues Leben eingehaucht. 

Die Orte, an denen wir lehren, lernen und arbeiten, müssen mehr denn je Geborgenheit und Wärme ausstrahlen und genügend Freiraum, Licht und Luft zur Entfaltung bieten. Wir alle verbringen viel Zeit in solchen Räumen, um so wichtiger sind deren hohe Aufenthaltsqualitäten. Helle natürliche Oberflächen, Farben und Materialien tragen hier zur Behaglichkeit entsprechend bei.

Dem Pflegeberuf stehen fundamentale Veränderungen, nicht zuletzt hinsichtlich seines Images, der Entlohnung und seines Tätigkeitsspektrums bevor. Dieser systemrelevante Berufsstand verdient dahingehend unsere größte Wertschätzung. 

Reformation und Innovation benötigen neue (Möglichkeits-) Räume. So entsteht am Standort, in einem Raumverbund mit Hörsälen, Bibliothek, Aufenthalts- und Lernbereichen eine offene Lernlandschaft, die sich entlang der geplanten Promenade und in die zukünftige Parklandschaft entlang der Mürz erweitert. Die Obergeschosse beherbergen Seminar- und Unterrichtsräume mit großzügigen Aufenthalts- und Lernräumlichkeiten. Das Ensemble, bestehend aus dem alten Schulgebäude und dem neuen Hörsaalgebäude bilden den Startpunkt für eine nachhaltige Entwicklung des neuen Fachhochschulstandortes in Kapfenberg.

Von der Wiener Straße kommend, bildet die alte Schule den Brückenkopf und definiert, auch aufgrund ihrer Vergangenheit, einen markanten und identitätsstiftenden Ort für die Stadt Kapfenberg.

Nicht zuletzt deswegen erhält der gegenständliche Entwurf die Bestandskubatur in ihren Grundzügen und verändert mit gezielten Eingriffen in Sockel, Dachform und Öffnungen die Proportion. Der bestehende Turnsaal und das Verbindungsbauteil werden rückgebaut. 

Die hinzukommenden Volumen des Vordaches und des Hörsaals setzen sich bewusst vom Bestand ab und stellen diesen ringsum frei. Ein umfassender Sockel auf dem Niveau des Erdgeschosses verbindet die Baukörper miteinander. Mit Respekt zueinander entstehen so neue Qualitäten und Räume zwischen Bestand, Zubau und benachbarter Bebauung. Maßstäblich reagiert das Projekt mit dem eingeschossigen Hörsaalgebäude auf den Ort und die angrenzende Wohnbebauung.

Ein intensiv begrüntes Vordach inszeniert den zentral gelegenen Haupteingang und bildet die Adresse des FH-Standorts Joanneum. Die beiden bestehenden Zugänge in der straßenseitigen Fassade werden verschlossen. Über eine 4% ige Anrampung des Sockels im Norden und im Süden, wird das Gebäude allseits barrierefrei erschlossen. Neben dem Haupteingang im Osten sowie im Westen und Süden befinden sich flexibel nutzbare barrierefreie Seiten- und Nebeneingänge auf Erdgeschossniveau.

Eine Begegnungszone erweitert den Vorplatz und aktiviert diesen zum Campusplatz. Eine mögliche zukünftige Erweiterung dieser Zone in Richtung Süden verzahnt das Fachhochschulareal langfristig mit der Innenstadt. Eine breit angelegte Promenade entlang des Mürzufers verbindet den Campusplatz mit dem Kirchensteg im Südwesten. Sie bildet das Rückgrat des zukünftigen FH-Campus. Entsprechend dem Wettbewerbsentwurf setzt sich die offene Bebauung Richtung Westen weiter fort und ermöglicht so eine freie Durchwegung des Areals und den Zugang zum Mürzufer. Abwechselnd hohe und niedrige Bebauung begünstigen dabei die Belichtung und Belüftung des Campus Areals und der dahinter liegenden Bebauung zusätzlich.

Der Campus wird vorrangig zu Fuß oder mit dem Rad erschlossen. Die Anlieferung für die Fachrichtung Gesundheits- und Krankenpflege erfolgt in der vorliegenden Bauphase von der Wiener Straße über den Haupt- bzw. den Nebeneingang im Osten und Süden. Die Zufahrt für Einsatzfahrzeuge über die Promenade bleibt möglich. Zukünftig ist die Ver- und Entsorgung von der Wiener Straße kommend auch über die Franz-Eibel-Straße möglich.

EU weit offener Realisierungswettbewerb 2023, 1.Preis
Wettbewerb: Stephan Schmidt, Ferdinand Schmölzer, Maibritt Pieper
Visualisierung: expressiv